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27.04.2010 - FAZ.NET

Dompteur tritt nach Tigerangriff wieder auf

Vor einem knappen Vierteljahr biss ihm ein Tiger die Schulter durch. Zwei andere Raubkatzen schlugen ihre Zähne ihn in Bein und Arm. Dennoch steht Dompteur Dieter Dittmann wieder mit den Tieren in der Manege des Circus Probst in Gießen.
Keine elf Wochen nach einem Tigerangriff tritt Dompteur Dieter Dittmann vom „Circus Probst“ wieder mit den Raubkatzen in der Manege auf. „Natürlich wird das was Besonderes. Aber die Arbeit an sich hat sich nicht geändert“, sagte der 52 Jahre alte Tierlehrer in Gießen, wo der Zirkus von Mittwoch an bis zum 2. Mai gastiert. Seit einem Monat trainiere er wieder mit den drei Weibchen und zwei Männchen, die bis zu 180 Kilogramm wiegen. Ob er bei der Premiere das komplette, mehrere Minuten lange Programm zeigen wird? „Man kann nicht sagen, man geht stur seinen Weg. Man muss gucken, was geht und zur Not besser abbrechen.“ Ein bengalischer Tiger hatte Dittmann im Februar vor rund 400 Zuschauern im nordrhein-westfälischen Solingen angefallen und ihm die Schulter durchbissen. Zwei andere Raubkatzen sprangen auf den am Boden liegenden Mann und bissen ihn in Arm und Bein. Zirkusdirektor Reinhardt Probst scheuchte die fünf Tiger mit Hilfe des Schaums aus einem Feuerlöscher aus dem Zelt. Das habe er noch alles mitbekommen, erzählte Dittmann am Dienstag. Nach dem Vorfall lag er vier Wochen in einer Klinik, einige Tage davon im Koma. „Tiger hat wie ein Tiger reagiert“ Er habe zu nah an den Großkatzen gestanden und sei zu nervös gewesen, erklärt sich Dittmann den Unfall inzwischen. „Der Tiger hat wie ein Tiger reagiert.“ Am Tag vor der Premiere in Gießen knurrten die „Hauskatzen einer anderen Dimension“, wie er die Tiger nennt. Das sei normal. Er achte aber auf sein Verhalten, sagte der Dompteur. „Wenn ich mit dem Rücken zu ihnen stehe, könnte sonst das alte Bild wiederkommen. Sie könnten denken: „Was macht der denn da schon wieder?““ Der Angriff der Tiger erinnert an Vorfälle wie im Dezember 2009 in Hamburg oder auf den prominenten Roy Horn vor etwa sieben Jahren. Dittmann, der seit 1985 mit Raubkatzen arbeitet, sagt, er habe schon kurz nach der ersten gefährlichen Attacke in seinem Leben wieder mit den Tieren arbeiten wollen: „Ich bin da drin zu Hause und das bleibt auch so.“