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16.10.2009 Von:Martina Schneider - Main Post

Dompteur Dittmann macht die Tiger neugierig

Der Raubkatzen-Dompteur des Circus Probst macht aus der Arbeit ein Spiel Sie sehen so kuschelig aus, dass man meint, seine Finger tief in ihrem weichen Fell vergraben zu müssen, aber „das sind keine Schmusekatzen“, sagt Dieter Dittmann respektvoll über seine bengalischen Königstiger. Dittmann ist der Raubtier-Dompteur des Circus Probst.

Fünf sind es an der Zahl und sie haben Namen aus der indischen Mythologie. Ansonsten ist nichts Mystisches an den Raubkatzen, sondern pure Kraft, Eleganz, Anmut – „und Neugier“, ergänzt Dittmann. „Sie ist das Fundament für die Arbeit mit den Tigern.“ Seit seinem 15. Lebensjahr arbeitet der gebürtige Haßfurter mit Tieren, erst als Tierpfleger im Zoo und seit 1985 als Trainer und Tierlehrer mit seinen eigenen Raubkatzen im Zirkus. Heute präsentiert er seine Königstiger bei der Premiere um 16 Uhr im Circus Probst auf der Marktheidenfelder Martinswiese.

„Man kann einen Tiger nie dazu zwingen, etwas zu tun, was er nicht will.“

Dieter Dittmann Raubkatzen-Dompteur

„Man kann einen Tiger niemals dazu zwingen, etwas zu tun, was er nicht will“, weiß der 52-Jährige. „Man muss ihn neugierig machen, denn eine Katze spielt gerne.“ Was leicht klingt, ist in Wahrheit harte Arbeit. Ein Jahr lang dauert die sogenannte Grundschule, in der die Tiere erst einmal an ihr Umfeld gewöhnt werden – an den Lehrer und an einander. Danach geht es erst an die eigentliche Arbeit in der Manege.

Nur zehn Minuten dauert Dittmanns Auftritt mit seinen Raubkatzen. „Man arbeitet sehr lange an einer Sache und was in zwei Sekunden passiert ist, erfordert viele Stunden Übung“, erklärt er das.

Fünf Bengalen-Tiger besitzt Dittmann, drei Männchen und zwei Weibchen. Er bekam sie mit sechs Monaten, heute sind sie zwischen fünf und sechs Jahren alt. Gezüchtet wurden sie im Safaripark Stukenbrock bei Paderborn. Bis zu sechs Kilo Rindfleisch verspeist ein Tiger am Tag. Woher das kommt, dokumentiert Dittmann in seinem dicken Tierbestandsbuch, in dem auch alle medizinischen Daten der Tiere vermerkt sind. Rund um die Uhr ist der 52-Jährige für seine Tiger da. „Ich habe keinen Acht-Stunden-Tag“, sagt er.

Wenn die Tiere Freizeit haben, sind sie in ihrem 150 Quadratmeter großen Spielkäfig. „Dort können sie machen, was sie wollen“, sagt Dittmann. Gearbeitet wird in der Manege. „Das wissen die auch ganz genau.“ Nur etwa zehn Minuten arbeitet Dittmann dort mit den Tigern am Stück, dann haben sie Pause, dann wieder eine Einheit und wieder Pause. . . „Die Tiere müssen motiviert bleiben; so bekommt man das beste Ergebnis“, weiß der Tierlehrer.

Über 20 Jahre Erfahrung

Mehr als 20 Jahre Erfahrung mit den Raubkatzen haben ihn das gelehrt. „Ich muss jedem den Part zuweisen, bei dem ich das Gefühl habe, dass er ihn gut kann; dann macht er auch mit. Das ist wie bei den Menschen: Der eine versteht schnell und setzt es um, der andere hat es nach einem Jahr noch nicht kapiert.“ Deshalb ist die Geduld eine der wichtigsten Voraussetzungen des Tierlehrers.

„Wenn man merkt, er hat kapiert, was er machen soll, dann ist das richtig toll.“ An seinem Programm arbeitet Dittmann ständig. „Man ist immer auf der Suche nach etwas Neuem“, erzählt er. „Das ist auch für die Tiere wichtig, immer wieder ihre Neugier anzustacheln damit sie nicht abstumpfen.“ Was heißt, dass Dittmann neben dem normalen Programm immer ein, zwei neue Passagen einübt.

Natürlich klappt nicht immer alles und schon gar nicht perfekt. Die Weibchen könne man schneller begeistern, erzählt Dittmann. Leider verlasse sie aber auch schnell wieder die Lust. Auf Dauer gesehen sei mit den Männchen ein kontinuierlicheres Arbeiten möglich. Was Dittmann aber an all seinen Katzen fasziniert, ist ihre Ausdrucksweise, ihre Eleganz und ihr Temperament.

Der Circus Probst gastiert heute, Mittwoch (16 und 19.30 Uhr), und morgen, Donnerstag (16 Uhr), auf der Marktheidenfelder Martinswiese.

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