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Die Tiger-Schule
„Können sie noch näher ran an die Tiger?“, fragt der Fotograf den Dompteur Dieter Dittmann, der mit dem Circus Probst derzeit in Augsburg weilt. Doch der winkt ab. „Das sind keine Streicheltiger, wie man sie vielleicht aus anderen Zirkussen kennt. Man muss die Grenzen kennen und beachten“, sagt er.
Seine sechsjährigen Bengalen-Tiger kann Dittmann an diesem Tag nur schwer zum Mitmachen bewegen. „Mit der Laune ist es wie bei den Menschen. Sie wissen aus der Erfahrung, dass sie jetzt eigentlich Freizeit haben und die Manege ihr Arbeitsplatz ist.“ Schließlich folgt die Raubkatze den Kommandos doch und stellt sich auf die Hinterbeine. Als Belohnung gibt es kleine Fleischhappen. Diese trägt der Dompteur in einer kleinen Tasche bei sich, holt sie heraus, spießt sie auf einem langen Stock auf und hält diesen dem Tiger entgegen.
Die Kraft und Eleganz der Raubtiere sowie deren Listigkeit haben Dittmann schon immer fasziniert. Bereits während der Schulferien machte er Praktika in mehreren Zoos. Nach der Schule begann er als Tierpfleger im Zoo Frankfurt. Dort wurde er aber nicht glücklich. „Im Zoo geht es um die Zucht von Tieren. Ich wollte mehr Kontakt zu den Katzen“, sagt der gebürtige Hesse.
Deswegen schloss er sich einem Zirkus an. Zunächst arbeitete er auch dort als Tierpfleger, schaute den Dompteuren nebenher über die Schulter und machte sich schließlich 1985 mit einer eigenen Raubkatzen-Gruppe selbstständig.Bis er die Tiere vor Publikum präsentieren kann, dauert es eine Weile. Im Alter von sechs Monaten bekommt er die Tiger und weitere sechs Monate gewöhnen sie sich nur an ihre Umgebung. Als „Grundschule“ bezeichnet Dittmann, was er den Katzen im zweiten Lebensjahr beibringt. „Dann kommen sie zu einem und laufen von Punkt A nach B, wenn man ihnen das Kommando gibt.“ Neben den verbalen Kommandos hat er zwei Peitschen, eine kurze und eine lange, die entsprechend der Distanz zum Tier eingesetzt werden. Längere Zeit dauert es auch, die Tiger an die Manege und an das Publikum drum herum zu gewöhnen.
Beim Einstudieren neuer Programme arbeitet er vor allem mit der Neugier der Tiere. Das Training sei eine „Beschäftigungstherapie“ und die Ergebnisse zeige man dann im Zirkus. Auch bei der Lernfähigkeit gibt es Parallelen zum Menschen. Der eine Tiger verstehe schnell, was er tun soll, und setzt es um und der andere habe es nach einem Jahr noch nicht gelernt, sagt Dittmann und schmunzelt.
Immer wieder redet er von „schönen Bewegungsabläufen“, die er versuche, den Tieren beizubringen. „Es ist fantastisch, was man bei den Tigern an Bewegungen sieht. Ich überlege dann, wie ich die Tiere dazu bekomme, dass sie es alle in einer Formation machen“, sagt der 52-Jährige.
Seine Show dauert im Schnitt sieben bis acht Minuten und wird wegen des aufwendigen Aufbaus des Käfigs meist als Erstes nach der Pause aufgeführt.
Vorstellungen Der Zirkus gastiert noch bis zum Sonntag, 28. Juni, in Augsburg. Am heutigen Donnerstag ist Familientag. Kinder und Erwachsene zahlen für die Veranstaltung um 16 Uhr je acht Euro. Karten gibt es ab 15 Uhr an der Tageskasse. Logen sind ausgenommen.
